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Was bedeutet die Digitalisierung für den Sondermaschinenbau?

Unzählige Bereiche verändern sich im Rahmen der Digitalisierung. Dies betrifft auch viele Standardprozesse.

Wie reagiert darauf der Sondermaschinenbau, der seit jeher auf Individualität setzt? Um mehr zu erfahren, haben wir für den vorliegenden Beitrag Joachim Wollmann, der bei der TK – Metallbau GmbH die Bereiche Konstruktion und Fertigung verantwortet, und Steffen Leischnig, Geschäftsführer der LSA GmbH, befragt. Ihre Einschätzungen geben aufschlussreiche Einblicke in eine traditionsreiche Branche, die sich im Umbruch befindet. Bereits bei der Beurteilung der Rolle der Digitalisierung im Sondermaschinenbau zeigt sich ein vielschichtiges Bild: Herr Wollmann betont die Bedeutung der Digitalisierung, sieht aber auch, dass „viele Lösungen nicht individuell genug sind, um sie im Sondermaschinenbau nutzen zu können“. Für Herrn Leischnig sind „nach wie vor große Defizite in den Bereichen der Normierung, Sicherheitstechnik und Protokollierung sowie vor allem im Know-how feststellbar“. Die Bedeutung ist also zwar strategisch groß, operativ und taktisch sind für ihn jedoch noch diverse Defizite vorhanden.

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Der Fokus liegt auf interner Prozessoptimierung

Bekanntlich hat die Digitalisierung im Unternehmenskontext zwei verschiedene Bedeutungen: Zum einen geht es um die Verbesserung unternehmensinterner Prozesse, zum anderen um die Anpassung oder gar Neuerfindung des Geschäftsmodells. Derzeit steht die interne Prozessoptimierung in der Digitalisierung des Sondermaschinenbaus eindeutig an erster Stelle. Die Nutzung von Webmeeting Tools und vor allem Kollaborationsplattformen ist selbstverständlich, digitale Workflows rund um die jeweilige Single-Source-of-Truth, also den Datenbestand, den sich alle Mitarbeiter nutzen, keine Herausforderung, sondern die Normalität in der Gestaltung von Geschäftsprozessen. In der Projektrealisierung rund um die Maschine kommen die großen Varianzen in der Implementierungsgüte und im Funktionsumfang der digitalen Komponenten zum Tragen: „Das hat gerade bei komplexeren Aufgaben viel mit Ausprobieren zu tun, man muss entsprechende Tools einfach testen. Wir sehen uns da bei LSA auch ein Stück weit als Early Adopter. Daneben sind wir in der glücklichen Lage, viel selbst zu implementieren, was für eine Unabhängigkeit von den Systemhäusern sorgt“, sagt Steffen Leischnig.

Letztendlich ist es so, dass wir unsere eigenen Tools schreiben. Weil wir eben merken, dass man an vielen Stellen sehr speziell reagieren muss.

Auch bei TK Metallbau betrifft die Digitalisierung aktuell eher interne Prozesse, also die komplette Abarbeitung eines Auftrags. Da die auf dem Markt verfügbare Software den besonderen Anforderungen der Kundenprojekte nicht gerecht wird und zu teuer ist, geht man hier eigene Wege. „Letztendlich ist es so, dass wir unsere eigenen Tools schreiben. Weil wir eben merken, dass man an vielen Stellen sehr speziell reagieren muss“, sagt Herr Wollmann. Hinsichtlich der Anpassung von Geschäftsmodellen sieht er eher größere Unternehmen im Vorteil: „Diese haben aufgrund entsprechender Ressourcen gerade Möglichkeiten, sich durch verbesserten Kundenservice von Marktbegleitern abzuheben.“

Macher-Mentalität für die Digitalisierung im Sondermaschinenbau

„Ich glaube tatsächlich, dass man das eine oder andere einfach ausprobieren sollte: zum Beispiel komplett von Papierzeichnungen wegzukommen. Einfach um zu sagen: Wie könnte man einen kompletten Auftrag abwickeln, ohne dass man ein einziges Blatt ausdruckt? Was muss man dafür machen? Wo sind die Probleme?“, so Herr Wollmann weiter. Generell empfiehlt er, neue Arbeitsprozesse und Technologien bei einem überschaubaren Projekt auszuprobieren. Dabei bietet es sich an, vertraute Kunden ins Boot zu holen und sie zu fragen, ob sie Interesse an der Neuerung haben. So lässt sich auch in einem Zug feststellen, ob am Markt Interesse besteht. Der Geschäftsführer von LSA sieht dies ähnlich: „Man kann ruhig eine Vision skizzieren, so hat man auf jeden Fall eine Zielrichtung. Dann aber sollte man schnell mit kleinen Bausteinen beginnen. Und wenn man ein umfangreiches Sondermaschinenprojekt hat: Warum dem Kunden nicht einfach mal als Bonbon so einen Baustein schenken?“

Think big, start small, move fast – das ist die Devise, um für die Zukunft gut aufgestellt zu sein.

Diese Vorgehensweise lässt sich mit dem einprägsamen Motto „Think big, start small, move fast“ zusammenfassen. Es kommt bei der Digitalisierung im Sondermaschinenbau darauf an, sich einem ambitionierten Ziel anzunähern – dies aber kontinuierlich und agil. Wenn dazu noch zu einem frühen Zeitpunkt Stammkunden involviert werden, entsteht für beide Seiten eine Win-win-Situation, wie Herr Leischnig betont: „Vielleicht ist die Lösung dann ja auch für seine übrigen Maschinen interessant“. Überhaupt stellt Ausprobieren die einzige praktikable Lösung angesichts der Vielzahl an Möglichkeiten dar, welche die Digitalisierung dem Maschinenbau bietet: „Das ist absolut notwendig. Man kann sich in der Theorie einiges vorstellen, aber man muss es wirklich selbst ausprobieren, um das entsprechende Thema zu durchdringen“, fasst Joachim Wollmann zusammen.

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