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Kindersitz anbringen: Auf häufige Fehler aufmerksam machen

In den letzten Jahrzehnten hat sich hinsichtlich der Sicherheit von Kinderrückhaltesystemen beziehungsweise Kindersitzen viel getan. Doch diese schützen nur bei korrekter Montage. 

Seit dem 1. April 1993 gilt in Deutschland für alle Kinder bis 12 Jahre, die kleiner als 150 cm sind, die gesetzliche Kindersicherungspflicht. Dennoch ist noch viel Luft nach oben: So ergab eine Studie im Auftrag des GDV (Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V.), dass von den 1042 untersuchten Kindern 47,6 Prozent falsch gesichert waren. Der an der Studie beteiligte Unfallforscher Gerd Müller hat zudem Autounfälle mit tödlichem Ausgang für Kinder rekonstruiert. Ihm zufolge hätte bei der Hälfte der Unfälle eine korrekte Sicherung im Kindersitz Schlimmeres verhindert. Hinzu kommt, dass Kinder bei richtiger Anwendung sogar besser als Erwachsene geschützt sind. Es braucht also neue Mittel, um aufzuzeigen, wie Kindersitze ordnungsgemäß eingebaut und verwendet werden. Daran arbeitet der Unfallforscher Prof. Dr.-Ing. Darius Friedemann an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW). Er hatte eine Bachelorarbeit für die Konstruktion eines Anschnalldemonstrator ausgeschrieben, auf die sich die Studentin Tamara Beber erfolgreich bewarb. Sie hat den Demonstrator selbständig geplant, konstruiert und gebaut.  Der Anschnalldemonstrator befindet sich auf einem Gestell, für das die Studentin der Fahrzeugtechnik Profiltechnik und Rollen von item verwendet hat.

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Ein Thema von hoher Relevanz

Als sie auf das von Prof. Dr.-Ing. Darius Friedemann ausgeschriebene Bachelorarbeitsthema stieß, war das Interesse von Frau Beber sofort geweckt. Für die zweifache Mutter zeigte sich dessen Relevanz besonders deutlich: „Wenn man den Leuten direkt vorführt, wie Kindersitze ordnungsgemäß im Fahrzeug installiert werden, ist das die beste Möglichkeit, Fehler zu verhindern. Gerade beim Einbau werden häufig Fehler begangen, mit erheblichen Folgen für die Sicherheit der Kinder.“ Wie wichtig Aufklärungsarbeit ist, zeigt auch ein weiterer Aspekt der besagten GDV-Studie: 70 Prozent der Befragten, die ihr Kind nicht richtig gesichert hatten, waren der Ansicht, sie hätten den Kindersitz korrekt angebracht. Es ist also höchste Zeit für eine verstärkte Sensibilisierung hinsichtlich häufiger Fehler bei der Verwendung von Kindersitzen. In der Vergangeheit hat es zwar schon öffentliche Schulungen gegeben, doch diese waren direkt im PKW erfolgt. Das hat die Nachteile, dass die Sicht auf das Geschehen für die Zuschauer nur sehr eingeschränkt möglich war und dass lediglich eine begrenzte Anzahl an Personen teilnehmen konnte.

Das Gestell des Anschnalldemonstrators im demontierten Zustand. 

Kindersitz anbringen? Nur scheinbar eine Kleinigkeit

Der Anschnalldemonstrator löst das Problem vorheriger Präsentationen, indem er Anschaulichkeit und Realismus verbindet: Hierfür wurde eine Rücksitzbank aus einem Fahrzeug auf eine Holzplatte montiert, die sich auf einem rollbaren Gestell auf Basis von Profilen aus dem MB Systembaukasten von item befindet. Da die Rücksitzbank in einem Fahrzeug an Metallbügeln befestigt wird, befinden sich am Anschnalldemonstrator mit zwei nach oben zeigenden Profilen äquivalente Komponenten. „Die Gurte sind direkt in der Rücksitzbank integriert, sodass Gegebenheiten wie in einem echten Fahrzeug vorhanden sind. Zusätzlich wurde ein Brett angebracht, das den Fußraum nachbildet. Das hat damit zu tun, dass es Kindersitze gibt, die sich mit einem zusätzlichen Stützfuß im Fußraum des Fahrzeugs abstützen“, erklärt Tamara Beber. Dank der vollständigen Rückbank ist es möglich, an einem Sitz die korrekte Montage eines Kindersitzes zu zeigen und an einem anderen zum Vergleich typische Fehler.

Grundsätzlich werden die verschiedensten Fehler beim Anbringen von Kindersitzen begangen, wobei zwischen der Installation mit einem Gurt und der mit dem ISOFIX-System unterschieden werden muss.

Grundsätzlich werden die verschiedensten Fehler beim Anbringen von Kindersitzen begangen, wobei zwischen der Installation mit einem Gurt und der mit dem ISOFIX-System unterschieden werden muss. In Autos mit dem standardisierten ISOFIX-System befinden sich zwischen Lehne und Sitz zwei Metallbügel. Ein mit dem System kompatibler Kindersitz verfügt über zwei Schnappverschlüsse. Wird er an die Bügel herangedrückt, so rasten die Verschlüsse ein. Während das ISOFIX-System relativ einfach und sicher ist, sieht es bei der Gurtvariante anders aus, wie Frau Beber hervorhebt: „Bei der Gurtinstallation wird der Gurt häufig durch die falschen Punkte geführt. Oder der Gurt wird einfach zu hoch eingestellt, sodass er über den Hals des Kindes verläuft.“

Der vollständige Demonstrator in der Seitenansicht.

Modulare Lösung für einen flexiblen Transport

In der Aufgabenstellung war die Mobilität ausdrücklich vorgegeben, damit der Anschnalldemonstrator an möglichst vielen Einsatzorten verwendet werden kann. Neben den Räumlichkeiten der HTW bieten sich hier vor allem Fahrschulen oder Kindertagesstätten an. Zudem sollte der Anschnalldemonstrator so konstruiert sein, dass er von einer einzigen Person in einem Audi A4 B8 transportiert werden kann. Daher kommt das item Gestell auch beim Beladen des Fahrzeugs zum Einsatz: Dabei wird die Platte, die auf dem Gestell aufliegt und auf der die Rücksitzbank montiert ist, von dem Gestell aus in den Kofferraum gerollt. Zu diesem Zweck befinden sich an der Unterseite der Platte zwei Bockrollen. Ferner wird dabei die Rückenlehne der Rücksitzbank vor dem Einladevorgang nach vorne umgeklappt. Durch die Konstruktion mit Aluminiumprofilen, vor allem durch die verwendeten Automatik-Winkelsätze, kann das Gestell mit wenigen Handgriffen so weit demontiert werden, dass der gesamte Demonstrator ins Auto passt.

Wenn wir Menschen mit dem Demonstrator zeigen, wie man es richtig macht, hat das auf jeden Fall Auswirkungen: Ich denke, die Chancen sind groß, dass die Folgen für ein Kind im Falle eines Unfalls dann deutlich geringer ausfallen.

„Der entscheidende Vorteil der item Profile war auf jeden Fall die Modularität, ich konnte das genauso machen, wie ich es brauchte. Und ich habe alles mit dem item Engineeringtool konstruiert, das war sehr praktisch. Wenn man ein wenig Erfahrung im Konstruieren hat, ist das Tool selbsterklärend“, sagt Frau Beber. Da die Vorrichtung zum Anbringen von Kindersitzen für Präsenzveranstaltungen gedacht ist, kam sie in einer von der Corona-Pandemie geprägten Zeit bislang nur auf einer einzigen Veranstaltung zum Einsatz. Zu dieser sagt Prof. Dr.-Ing. Darius Friedemann Folgendes: „Der Einsatz war ein voller Erfolg. Alles hat gut funktioniert und ich konnte am praktischen Beispiel zeigen, welche Fehler zu vermeiden sind. Ich freue mich schon auf zukünftige Veranstaltungen. Die Sicherheit von Kindern in Fahrzeugen zu verbessern, liegt mir als Unfallforscher besonders am Herzen.“ Weitere Einsätze rücken allmählich in greifbare Nähe. Überhaupt ist Tamara Beber zu Recht bereits jetzt von der Effektivität ihres Projekts fest überzeugt: „Wenn wir Menschen mit dem Demonstrator zeigen, wie man es richtig macht, hat das auf jeden Fall Auswirkungen: Ich denke, die Chancen sind groß, dass die Folgen für ein Kind im Falle eines Unfalls dann deutlich geringer ausfallen.“

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