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Kaikaku: Das Gegenteil von Kaizen?

Kaikaku und Kaizen: Eine Gegenüberstellung von zwei (scheinbar) grundverschiedenen Lean-Prinzipien.

Mit den Methoden der Lean Production sind wir seit langem vertraut und haben sie an dieser Stelle auch schon oft behandelt. Bei einem so facettenreichen System wie der schlanken Produktion verwundert es jedoch nicht, dass es für den item Blog auf der „Lean-Landkarte“ immer noch „unentdeckte Stellen“ gibt, deren Besuch sich mehr als lohnt. So auch im vorliegenden Beitrag, der sich dem leanen Kaikaku-Konzept widmet, das häufig als Gegensatz zu Kaizen beschrieben wird. Der auch im Lean Management häufig anzutreffende Kaizen-Begriff ist aus den japanischen Entsprechungen für „Veränderung“ (Kai) und „zum Besseren“ (Zen) zusammengesetzt. Bei Kaizen geht es also um eine Grundhaltung, die nach Optimierung strebt. Nun besteht der Clou allerdings darin, dass der Prozess der Optimierung niemals mit Kaizen endet – was bereits viel über Kaikaku verrät.

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Von Kaizen zum kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP)

Kaizen findet zwar im Lean-Kontext oft Erwähnung, doch eine Differenzierung ist notwendig: In der japanischen Gesellschaft tummelt sich Kaizen nämlich in zahlreichen Bereichen und Diskursen. Es gibt nur wenige Begriffe, die in Japan so gebräuchlich sind wie Kaizen. Das ist hat seinen Grund, denn Kaizen entspricht der japanischen Mentalität: Man schaut positiv in die Zukunft und setzt auf Tugenden wie Beharrlichkeit und Fleiß. Wendet man Kaizen konkret in der Produktion an, so spricht man vom kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP). Dieser ist ausdrücklich als Maßnahme zu sehen, die von der gesamten Belegschaft getragen wird. Die einzelnen Werker sind es nämlich, die sich alltäglich am Gemba befinden – also am „eigentlichen Ort“, an dem die Wertschöpfung erfolgt.

Zwar ist das Management angehalten, sich durch regelmäßige Gemba Walks mit eigenen Augen zu überzeugen. Der sich im kontinuierlichen Verbesserungsprozess manifestierende Kaizen-Gedanke lässt sich jedoch nicht von oben herab verordnen. Stattdessen muss Kaizen/KVP täglich gelebt werden. So entsteht eine positive Fehlerkultur, die dazu ermutigt, das eigene Handeln genau unter die Lupe zu nehmen und sich stetig zu verbessern. Entsprechende Hilfsmittel und fest definierte Rechte sind dabei entscheidende Bausteine für den Erfolg.

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Kaikaku vs. Kaizen/KVP?

So sinnvoll eine kleinschrittige Verbesserung gemäß Kaizen/KVP auch ist: Nicht in jedem denkbaren Fall stellt sie auch den perfekten Hebel für die gewünschte Veränderung dar. Doch die Lean-Philosophie verfügt über genug Facettenreichtum, um auch hier zu greifen. Diesbezüglich hat sich die Methode des Kaikaku etabliert: Dieses japanische Wort lässt sich mit „radikaler Wandel“ oder auch „Reform“ übersetzen. Bereits hier zeigt sich also der Kontrast zu Kaizen. Es geht bei Kaikaku nicht um Kontinuität oder einen unendlichen Prozess – sondern um eine genau getimte Aktion, die eine neue Weichenstellung einläutet. Aus diesem Grund wird Kaikaku gelegentlich auch als „Durchbruchs-Kaizen“ bezeichnet.

Kaikaku und Kaizen/KVP sind keine Kontrahenten – ganz im Gegenteil.

Bei Innovationsprojekten wie der Umstrukturierung von Produktionssystemen handelt es sich um typische Kaikaku-Projekte. Diese werden entsprechend von der Führungsebene angeordnet. Gleichwohl sind Kaikaku und Kaizen/KVP keine „Kontrahenten“ – ganz im Gegenteil. Denn Kaikaku wird oftmals dazu eingesetzt, um erst die Basis für angewandtes Kaizen in Form von KVP zu schaffen. Hierzu zählt beispielsweise die Einführung einer U-Linie auf Basis unseres Profilrohrsystems D30. Ohne eine grundlegende Umstellung des Montageprozesses wäre auch ein Wandel der Arbeitsmethodik nicht möglich. So werden in diesem Falle die Mitarbeiter erst durch die angeordnete Einführung von neuen Methoden in einem bestimmten Zeitraum dazu ermächtigt, zu einem späteren Zeitpunkt den -Gedanken der kontinuierlichen Verbesserung selbst in die Tat umzusetzen.

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