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Lieferfähigkeit & Rohstoffknappheit: Worauf es jetzt ankommt

Thomas Neller, Einkaufsleiter und Mitglied der Geschäftsleitung von item

Weltweit haben Unternehmen mit Lieferengpässen zu kämpfen. Denn Rohstoffe wie Holz, Papier, Kunststoffe, Blech und Aluminium sind rar. Wie kann es gelingen, in dieser aktuell sehr angespannten Lage dennoch lieferfähig zu bleiben? In unserem Blog geben wir Antworten. 

Knapp, knapper, rar – die Rohstoffknappheit ist aktuell ein großes Problem. Betroffen von dieser Situation sind zahlreiche Branchen. So steigt auch 2021 die Nachfrage nach Stahl, Holz, Kunststoffen und Aluminium kontinuierlich. Doch der Bedarf kann kaum noch gedeckt werden. Die Gründe für die drastische Rohstoffverknappung sind vielfältig, wie der Blick auf die Aluminiumindustrie zeigt.

Rohstoffversorgung: Warum ist Aluminium knapp?

Die Corona-Pandemie hat einen deutlichen Einfluss auf die Wirtschaft. Wurden in der Krise ganze Produktionen heruntergefahren, laufen diese nun wieder an. Sie sind dementsprechend auf Material- und Rohstofflieferungen angewiesen. Einige Aluminiumschmelzwerke in Deutschland mussten allerdings coronabedingt gänzlich stillgelegt werden. Damit verringern sich die verfügbaren Kapazitäten. Darüber hinaus ist eine Vielzahl von Mitarbeitern in deutschen Aluminiumhütten oder Presswerken noch immer in Kurzarbeit. Arbeitsschichten mussten umverteilt und zum Teil reduziert werden, mit weitreichenden Folgen für den Betrieb und die Produktion.

Zusätzliche Impulse verstärken diesen aktuellen Negativtrend, beispielsweise der durch die EU eingeführte Strafzoll mit Aufschlägen bis zu 50 Prozent auf chinesische Aluminiumprofile. Kunden, die bislang Aluminiumprofile in China beschafft haben, wenden sich jetzt mit ihrem Bedarf an europäische Lieferanten. Kurz gesagt: Die Branche ist 2021 geprägt durch einen Mangel an Rohstoffen, Ressourcen und Kapazitäten. Während die Verfügbarkeiten überall sukzessive sinken, steigen die Preise eklatant.

Lösungsansätze zur sicheren Versorgung und zur Vermeidung von Engpässen

Hohe Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit sind entscheidend für den Unternehmenserfolg in Zeiten wie diesen. Wie können Unternehmen in Deutschland ihre Kundenversprechen halten, maximale Lieferquoten garantieren und Lieferengpässe vermeiden?

1. Rohstoffbedarf vorausschauend und strategisch planen

Um die Prozesse entlang der Lieferkette zu optimieren, gilt es, Ressourcen und Kapazitäten vorausschauend zu planen. „Für eine hohe Versorgungssicherheit sind ein optimales Zusammenspiel im Warengruppenmanagement und Lieferantenmanagement sowie durchdachte Sourcingstrategien entscheidend“, sagt Thomas Neller, Einkaufsleiter und Mitglied der Geschäftsleitung von item.

Die Planung für den Materialbedarf bei item umfasst ein Jahr und ist rollierend. Dabei erfolgt eine interne Abstimmung mit sämtlichen Key-Account-Managern und der Vertriebsleitung. Die Strukturen des Unternehmens ermöglichen eine enge Verzahnung des operativen mit dem strategischen Bereich. Die Marktlage wird laufend analysiert. News werden direkt verarbeitet. Damit legt item die Grundlage für eine nachhaltige Beschaffung.

Aktives Management und geeignete Planungsmethoden

Gemeinsam und abteilungsübergreifend entwickelt item ausgefeilte Strategien zur Verwirklichung der Unternehmensziele. Sales and Operations Planning ist dabei eine geeignete Methode, um eine wirtschaftliche Marktversorgung zu erreichen. So lassen sich Abweichungen gegenüber dem Jahresplan im Hinblick auf Bestände, Kapazitäten und Personalressourcen frühzeitig erkennen. Verantwortliche können rechtzeitig darauf reagieren.

Um den Bestand laufend zu optimieren, verknüpft item sein CRM-System mit einem intelligenten Prognosetool. Dabei setzten wir auf Operations Research. Bei der Unternehmensplanung helfen mathematische Verfahren, optimale Entscheidungen zu treffen.

Präzise Absatzprognosen dank intelligenter Software

Die spezielle Software errechnet unter Berücksichtigung historischer Abverkäufe und auf Basis mathematischer Algorithmen den optimalen Bedarf und erstellt präzise Absatzprognosen. So lässt sich der Bestand dynamisch anpassen und flexibel managen.

Tagesaktuell erfolgt die Aktualisierung der Prognosen. Ungewöhnliche Absatzmengen werden schnell ersichtlich und der Disponent kann sofort handeln. „Prognosegenauigkeit ist der Schlüssel zum Erfolg“, sagt Thomas Neller. „Das Tool in Kombination mit der Kompetenz unserer Mitarbeiter und den Aussagen unserer Lieferanten fungiert dabei als eine Art Frühwarnsystem.“

Zusätzlich lassen sich schnell und unkompliziert Simulationen durchführen. Der Anwender kann prüfen, wie sich die Verfügbarkeit und der Bestand verändern, wenn beispielsweise ein Lieferant ausfällt oder ein Artikel nicht mehr geliefert werden kann. Das Tool gibt dann entsprechende Empfehlungen. Immer unter der Prämisse: Sicherstellung der Verfügbarkeit.

Stets ein optimierter Lagerbestand

Der zu Beginn des Jahres ermittelte Bedarf wird ständig evaluiert und angepasst. So lassen sich frühzeitig die Weichen stellen und Materialmengen an der Börse zu wirtschaftlich günstigen Konditionen ordern. Im Gegensatz dazu zwingen kurzfristige Planungen Unternehmen dazu, Rohstoffe zu Tagespreisen zu erwerben, selbst bei drastischen Preiserhöhungen.

„Wir haben im Jahr 2021 den Großteil unseres Jahresbedarfs an Aluminium bereits im ersten Quartal gedeckt“, so Thomas Neller. „Plötzliche Preissteigerungen haben daher keinen Einfluss auf unser System.“ Optimierte Lagerbestände gewährleisten eine hohe Verfügbarkeit der item Produkte – und das für das gesamte Jahr. Unterjährige Schwankungen des Bestandes werden dabei in Kauf genommen. Auch reduziert item die Lagerbestände nicht zum Ende des Jahres, um sie dann im ersten Quartal des folgenden Jahres wieder zu erhöhen.

Ein wichtiger Pfeiler für die Sicherstellung der Versorgung mit Rohstoffen ist die enge und vertrauensvolle Partnerschaft mit den Lieferanten.

2. Bedeutung der Lieferantenbeziehung

Das Zentrallager von item in Solingen wird von festen Lieferanten aus ganz Europa schon seit etlichen Jahren zuverlässig mit Material beliefert. „Unsere Vertragsbeziehungen bestehen zum Teil seit über 30 Jahren“, erklärt Thomas Neller. „Dabei basieren die Sourcingstrategien auf multiplen Bezugsquellen. Wir können auf bis zu zehn Lieferanten zurückgreifen und sind somit nicht an einzelne Lieferanten und Preisvorgaben gebunden.“ Ein Teil der Lieferanten deckt den Grundbedarf, während andere bei Bedarfsspitzen kontaktiert werden.

Die langjährige Partnerschaft mit den Lieferanten sorgt für ein besonderes Vertrauensverhältnis und ermöglicht tiefe Einblicke in das Marktgeschehen. Regelmäßig erfolgt ein reger und intensiver Austausch von Informationen. Dabei profitiert item auch vom „Größenvorteil“ und kann stets auf ein gewisses Kontingent an Aluminiumprofilen zurückgreifen. Lieferantenkontrakte mit an die jeweilige Marktlage angepassten Laufzeiten sichern den kontinuierlichen Versorgungsnachschub zu wirtschaftlichen Preisen.

3. Den Blick nach vorn richten

Wohin geht die Reise in der Aluminiumbranche? Was machen Wettbewerber anders? Wie können Mitarbeiter noch besser in das Unternehmen eingebunden und optimal gefördert werden? Unternehmen tun gut daran, Fragen wie diese zu stellen und interne Prozesse stetig zu hinterfragen. Eine offene Kommunikation, Flexibilität und die ständige Bereitschaft, sich weiterzuentwickeln, bilden die Basis für eine erfolgreiche Zukunft. „Früher war der Einkauf mit einem Bestellbüro gleichzusetzen, heute agieren wir im Einkauf innerhalb der Supply Chain. Und morgen?“, fragt Thomas Neller. „Es ist und bleibt immens wichtig, offen zu sein für Neues.“

Dauerhafte Lieferfähigkeit: Darauf kommt es an

Wie gelingt es Unternehmen, trotz der momentanen Rohstoffknappheit ihre Lieferfähigkeit aufrechtzuerhalten und Versorgungsengpässe zu verhindern? Durch eine langfristige, belastbare und vorausschauende Planung. Wird die Jahresplanung durch rollierende Hochrechnungen ergänzt, können Unternehmen flexibler agieren und den Bedarf dynamisch anpassen. Doch eine optimale Planung allein reicht nicht aus. Um außerordentliche Lieferquoten zu erreichen, bedarf es ausgereifter Strategien, spezieller Softwareunterstützung, verlässlicher Partner und eines zukunftsorientierten Managements. So gelingt es item, das Lieferversprechen zu halten und deutschlandweit bestellte Aluminiumprofile innerhalb von 48 Stunden zu liefern.

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