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Hoshin Kanri: Definition und Anwendung

Zwischen der Formulierung einer Vision und der konkreten Umsetzung im Unternehmen geht häufig einiges verloren.

Diese Verluste sind in der Regel räumlich (Büro vs. Gemba, also den Ort der Wertschöpfung) und hierarchisch (Führung vs. Mitarbeiter) bedingt. Mit Hoshin Kanri hält die Lean Production jedoch eine Methode bereit, um die Realisierung einer Unternehmensvision gezielt zu steuern und alle Mitarbeiter einzubeziehen. „Hoshin“ bedeutet übersetzt „Kompass-Nadel“ und „Kanri“ steht für „Management“. Es handelt sich bei dieser Kompassnadel für das Management um einen Strategieprozess, der vertikal über alle Hierarchien und horizontal über die Ebenen vom Strategieziel bis zur einzelnen Maßnahme verläuft. Folgende vier Schritte sind feste Bestandteile von Hoshin Kanri:

Definition eines Strategieplans

Entwicklung von Taktiken zur Umsetzung

Umsetzung

Überprüfung und Anpassung bei Bedarf

Doch wie sieht die konkrete Umsetzung von Hoshin Kanri aus?

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So ist Hoshin Kanri aufgebaut

Bei der Definition eines Strategieplans empfiehlt es sich, nicht mehr als fünf Ziele festzulegen. Hoshin Kanri ist dezidiert langfristig ausgelegt – mit wenigen Durchbruchszielen für einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren. Unter einem Durchbruchsziel versteht man ein Ziel, dessen Erreichung grundlegende Veränderungen in einem Unternehmen anstößt. Dies ist nicht mit den plötzlichen Veränderungen von Kaikaku zu verwechseln, das auch als „Durchbruchs-Kaizen“ bezeichnet wird. Zudem kommt es auf SMARTe Ziele an. Hinter dem leicht zu merkenden Akronym SMART verbergen sich:

Spezifisch: Definieren Sie spezifische Ziele, also Soll-Zustände.

Messbar: Es muss konkret messbare Kriterien geben.

Attraktiv: Ziele sollen motivierend sein und bei allen Mitarbeitern auf Zustimmung stoßen.

Realistisch: Der Sollzustand soll mit den vorliegenden Ressourcen erreichbar sein.

Terminiert: Legen Sie genau fest, bis wann das Ziel erreicht werden soll.

In der Strategiephase kommt es daneben auf Effektivität an. Dabei ist folgende Unterscheidung wichtig: Effektivität bedeutet, dass man die richtigen Dinge tut, Effizienz hingegen liegt vor, wenn Dinge richtig getan werden. Das Entscheide dabei ist, dass auch die falschen Dinge effizient erledigt werden können, etwa wenn jemand eine Aufgabe missversteht und diese jedoch an sich korrekt bearbeitet. Dennoch wurden in diesem Beispiel Zeit und Ressourcen verschwendet. Daher ist die Festlegung von Kennzahlen (Key Performance Indicators = KPIs) entscheidend. Idealerweise werden diese visuell dargestellt, etwa in einem Dashboard, damit sie besser verstanden werden können.

Der Catchball-/Nemawashi-Prozess bei Hoshin Kanri

Hinsichtlich der Taktiken zur Umsetzung ist vor allem Catchball beziehungsweise Nemawashi zu nennen. Catchball ist der weitaus bekanntere Begriff: Ursprünglich handelt es sich dabei um ein populäres Kinderspiel, bei dem alle Teilnehmer im Kreis stehen und sich gegenseitig einen Baseball zuwerfen. Dies zeigt anschaulich den Kern des Catchball-Prozesses im Rahmen von Hoshin Kanri. Hier geht es darum, dass es keine Entscheidungen von oben herab gibt. Die Führung und Mitarbeiter auf allen Hierarchieebenen erarbeiten gemeinsam die Ziele – und „werfen sich die Bälle zu“. Dass dies keine Sache ist, die sich auf die Schnelle erledigen lässt, macht Nemawashi noch deutlicher: Dieser Begriff setzt sich aus „ne“ (= Wurzel) und „mawasu“ (= um etwas herumgehen) zusammen. Seine ursprüngliche Bedeutung ist wörtlich zu verstehen. Er bezeichnet den Vorgang, um die Wurzeln eines Baumes herumzugraben, um ihn auf eine Umpflanzung vorzubereiten.

Dabei ist es wichtig, den Baum frühzeitig mit der Erde des neuen Ortes vertraut zu machen, um den Übergang zu erleichtern. Es geht also eindeutig um ein behutsames Vorgehen. Bei Nemawashi im Lean-Kontext wird ebenfalls nach und nach „der Boden bereitet“: Somit lässt sich gezielt vermeiden, dass sich Beteiligte übergangen fühlen und darunter ihre Motivation leidet. Und letztlich wissen diejenigen, die eine Tätigkeiten ausführen, am besten, ob die gesteckten Ziele realistisch sind. Der Konsensprozess dauert hier zwar in der Regel länger, aber dafür können Maßnahmen erheblich zielgerichteter und schneller umgesetzt werden. Für Motivation aller Beteiligten ist dies ein entscheidender Faktor.

Vorteile von Hoshin Kanri

Bei der Umsetzung von Hoshin Kanri gilt die Devise, die auch den PDCA-Zyklus (Plan – Do – Check – Act) prägt. Es handelt sich um ein Experiment mit offenem Ausgang. Entsprechend sind Überprüfungen und eine lebendige, positive Feedback- und Fehlerkultur essenziell für das Gelingen von Hoshin Kanri. Es ist es wie bei allen Methoden der Lean Production: Nur mit tiefgehendem Verständnis und der Hingabe aller Beteiligten lassen sich Erfolge erzielen. Obwohl etwa der RoI (Return on Investment) oder EBITDA (Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization) wichtige Kennzahlen sind, treiben diese nicht die Praktiken an, sondern sind umgekehrt Ergebnisse von diesen. Denn Hoshin nimmt Einfluss auf Prozesse und fokussiert sich nicht nur auf das Ergebnis.

Hoshin Kanri berücksichtigt daneben die Stimme des Kunden und nicht nur reine Gewinnziele. Zusätzlich verbessert es bei erfolgreicher Implementierung auch die Unternehmenskultur. Catchball/Nemawashi ist ein ausdrücklicher Kontrast zu Top-Down-Verfahren und basiert auf Konsens. Ressourcen, Vorgaben und Kennzahlen lassen sich an alle Ziele und Ebenen des Unternehmens anpassen. Jedem einzelnen Mitarbeiter werden durch die Einbindung in die Zielsetzung und Verbesserungspläne sowie deren Überprüfung die eigene Rolle und Ziele im Unternehmen noch stärker bewusst. Auf jeder Unternehmensebene werden daher Verantwortung und Führungsrollen übernommen.

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